Geschichte - III - Bau und Fertigstellung

Baubeginn

Am 31. Mai 1929 beantragt Höger die generelle Vorgenehmigung des Projekts bei der Baupolizei.

Im Juli 1930 beginnen die Erd- und Fundamentarbeiten und am 30. September findet die feierliche

Grundsteinlegung statt - der Grundstein findet sich im Vestibül des Großen Gemeindesaales.

Im Juli/August 1931 beginnen die Innenarbeiten in der Kirche. Die Rohbauabnahme der Kirche wird

am 12. Februar 1932 durchgeführt. Die Gebrauchsabnahme ist protokollarisch für den 9. März 1933

festgehalten. Schon dabei werden Mängel benannt, die den Bau noch Jahrzehnte später belasten:

die einfachen Fenster im Gemeindesaal, die auf den Einsparwillen des Gemeindekirchenrats zurück-

zuführen sind sowie ein nicht völlig abtrocknender Raum unter der großen Außentreppe.

Höger entwirft die Kirche auf dem verwinkelten Grundstück (2447qm), das nicht einfach zu bebauen

war. Er nimmt die Situation des damaligen Hohenzollernplatzes ernst, gliedert seine Kirche als (dominante) Randbebauung, wobei das Gemeindehaus als ein Querriegel und das Pfarrhaus in der Nassauischen Straße

zu stehen kommen. Es entsteht ein herausragendes Bauwerk, das in der Grundfläche des Hauptraumes

(40m lang inklusive Altarraum; 14m breit, Ca. 2Om hoch) etwa die Maße des salomonischen Tempels

(ca. 40m lang inklusive Vorhalle; über 10m breit; Ca. 18m hoch) aufnimmt. Die Betonung des Altarraums

nimmt in christlicher Abwandlung Anleihe beim Allerheiligsten des Tempels in Jerusalem auf.

Der Turm kommt nach unterschiedlichen Überlegungen schließlich an den Sichtachsen von Fasanen- und

Nikolsburger Straße, vom Hohenzollerndamm und der Düsseldorfer Straße sowie der Nassauischen Straße

zu stehen. Er überragt mit seiner Höhe von 66m (inklusive Kreuz), von unten bis oben, leicht konisch Stein

auf Stein gemauert, die umliegenden Häuser, die nach Berliner Traufhöhe, 22m hoch sind.

Dieses Höhenmaß übernimmt der Architekt im Inneren der Kirche.

 

Fertigstellung der Kirche Am Hohenzollernplatz

Am Sonntag Oculi ( "Meine Augen sehen stets auf den Herrn", Psalm 25,15 ), dem 19. März 1933

wird Fritz Högers "Dom", die Kirche Am Hohenzollernplatz, in den Dienst genommen.

Als Namen konnte sich Höger vorstellen: " "Offenbarungskirche" oder  "Dom der Erlösung"

oder  "Auferstehungskirche", so sollte man diese meine Kirche taufen ....

Ich könnte mir auch denken "Dom des deutschen Frühlings"."

 

Bei diesem Kirchbau hatte Höger nach eigenen Aussagen dahingehend gewirkt, "dass auch

bei moderner Konstruktion in allersachlichster nackter Anwendung in gesteigertem Maße

sakrale Wirkung und gigantische Raumwirkung sich ergibt. Ich habe hier ohne Zutaten und

Extravaganzen nur einen schlichten, feierlichen Raum gestalten und konstruieren wollen ...

Ich habe also bei den Spitzbogenformen gar nicht gotisieren wollen - im Gegenteil.

Gotischen Geistes freilich sollte mein Bau sein, wie alle meine Bauten dieses innere Gepräge

tragen." Dazu ist erhellend eine Notiz  im Protokollbuch des Gemeindekirchenrats, aus der klar

wird, dass die Spitzbogen keine Ursprungsidee Högers sind. In ersten Entwürfen hatte er nämlich

Rundbögen vorgesehen. Die aber erinnerten den GKR zu sehr an Industrie-Architektur, so meldete

er hier ernste Einsprüche an, da dieser Entwurf "nach unserem Empfinden den sakralen Charakter

eines gottesdienstlichen Raumes vermissen lässt."

 

Höger ging es sehr um den sakralen Charakter seines Baus, die Kraft und Sammlung auch insbesondere

im Inneren. "Wehe dem Baumeister, der beim Bau eines Gotteshauses, der höchsten Aufgabe, nicht in

leidenschaftliche Begeisterung gerät, er sollte lieber nicht mehr "Baumeister" sein!"

 

Piergiacomo Bucciarelli, Architekturhistoriker und Biograf Fritz Högers urteilt:

"Höger will durchaus modern sein. Dennoch scheint er sich darum zu bemühen, eine Art Mittlerrolle

zwischen den Ausdrucksfähigkeiten der modernen Architektursyntax und denen der traditionellen

Materialien zu spielen. Rebellisch und gleichzeitig konservativ, Zeuge einer Epoche, die absolut

zukunftsorientiert, aus vielerlei Gründen jedoch noch der Vergangenheit zugewandt bleibt, lehnt er

die tröstliche Anmut des Jugendstils ab, obwohl er auch hier einige Anregungen übernimmt.

In den Werken dieses individualistischen, romantischen, auf seine nordische und bäuerliche Herkunft

stolzen Mannes, der sich stets auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch bewegt, wird das

halbernste Schauspiel der bürgerlichen Moderne in Szene gesetzt."

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